Der Wecker klingelt um 3:40 Uhr, und Torsten Weiler ist sofort wach. Nach 22 Jahren am Wasser braucht er keinen zweiten Alarm. Im Kofferraum liegen Ruten, Kescher, eine Thermoskanne und eine Dose Maden, die seine Frau grundsätzlich nicht im Kühlschrank duldet.
Am Ufer ist es 6 Grad kalt. Der Nebel liegt so dicht über dem Wasser, dass die andere Seite verschwindet. Die erste Handlung ist immer dieselbe: Schnur prüfen, Knoten kontrollieren, Haken auf Schärfe testen. Wer hier schludert, verliert später den Fisch seines Jahres.
Angeln ist in Deutschland streng geregelt, und genau das schätzen viele. Ohne Fischereischein geht nichts, dazu kommen Prüfung, Erlaubnisschein für das Gewässer, Schonzeiten und Mindestmaße. Wer sich nicht daran hält, riskiert empfindliche Bußgelder und den Entzug der Papiere.
Die Vorbereitung entscheidet über den Tag. Wassertemperatur, Luftdruck, Wind und Mondphase gelten unter Anglern als Faktoren, über die man ganze Abende streiten kann. Sicher ist nur: Bei fallendem Luftdruck beißen Raubfische in vielen Gewässern deutlich zurückhaltender.
Um 5:20 Uhr zuckt die Rutenspitze zum ersten Mal. Kein Biss, nur Kraut. Weiler lacht leise. „Die meisten hören auf, weil sie glauben, es liege am Köder. Es liegt fast nie am Köder.“



