Es ist der Standardsatz jeder Wohnungsübergabe: Weiß streichen, dann wirkt es größer. Farbgestalter halten das für eine Verkürzung. Entscheidend sei nicht die Helligkeit allein, sondern der Kontrast zwischen den Flächen und die Lichtsituation im Raum.
Ein kleiner Raum, in dem Wände, Decke und Sockelleisten im selben dunklen Ton gestrichen sind, wirkt oft größer als ein weißer Raum mit dunklen Möbeln. Der Grund: Ohne sichtbare Kanten verliert das Auge den Bezugspunkt und kann die Raumgrenze nicht mehr genau verorten.
Wichtiger als die Farbwahl ist deshalb die Konsequenz. Wer dunkel streicht, streicht die Decke mit. Wer hell streicht, verzichtet auf harte Kontraste an Rahmen und Leisten. Halbe Lösungen erzeugen Streifen, und Streifen machen Räume kleiner.
Die zweite Größe ist das Licht. Nordräume bekommen kühles, blaustichiges Tageslicht – warme Farbtöne mit gelbem oder rotem Unterton gleichen das aus. Südräume vertragen kühle Töne, weil das warme Nachmittagslicht sie ausbalanciert.
Deshalb funktioniert kein Farbmuster aus dem Baumarkt zuverlässig. Profis streichen Testflächen von mindestens einem halben Quadratmeter und beurteilen sie morgens, mittags und bei Kunstlicht. Ein Ton, der um 11 Uhr elegant wirkt, kann um 20 Uhr schmutzig aussehen.



