Es ist 16:40 Uhr, als der Notruf eingeht. Zwei Wanderer, Anfang dreißig, sitzen auf 1.900 Metern fest. Kein Regenschutz, ein Liter Wasser für beide, Kondition am Ende. Die Bergwacht braucht drei Stunden für einen Einsatz, der mit zwanzig Minuten Planung vermeidbar gewesen wäre.
Solche Geschichten häufen sich. Die alpinen Vereine registrieren Rekordzahlen bei Tagesgästen, gleichzeitig steigt die Zahl der Rettungseinsätze. Die häufigste Ursache ist nicht Absturz, sondern Erschöpfung, Orientierungsverlust und der klassische Zeitfehler: zu spät gestartet.
Die Grundregel jeder Tourenplanung lautet: Abstieg mitrechnen. Für den Aufstieg gelten grob 300 bis 400 Höhenmeter pro Stunde, für den Abstieg 500 bis 600. Wer im Tal um 11 Uhr startet und vier Stunden aufsteigt, hat auf dem Gipfel bereits das Problem, dass die Sonne früher weg ist als er.
Zur Ausrüstung gehören selbst bei schönstem Wetter Regenjacke, warme Zusatzschicht, Stirnlampe, mindestens 1,5 Liter Wasser pro Person, etwas zu essen und ein kleines Erste-Hilfe-Set. Das Handy zählt nicht als Ausrüstung, sondern als Notfallgerät – mit Powerbank.
Schuhe sind der zweite große Streitpunkt. Für breite Forstwege genügen feste Trailschuhe, auf Geröll und Schrofen braucht es einen Schaft, der den Knöchel stützt, und eine Sohle, die nicht auf nassem Fels schmiert.



