Ein Aquarium wirkt harmlos: Becken, Wasser, ein paar Fische. Tatsächlich ist es ein biologisches System, das erst funktionieren muss, bevor Tiere einziehen dürfen. Die meisten Verluste im ersten Monat gehen auf einen einzigen Fehler zurück – zu frühen Besatz.
Fische scheiden Ammonium aus, das im Wasser zu giftigem Ammoniak werden kann. Bakterien wandeln es in Nitrit um, weitere Bakterien in vergleichsweise harmloses Nitrat. Diese Bakterienkulturen brauchen jedoch Zeit, um sich im Filter anzusiedeln: in der Regel drei bis fünf Wochen.
Während dieser Einfahrphase steigt zunächst der Ammonium-, dann der Nitritwert an, bevor beide auf null fallen. Erst dieser sogenannte Nitritpeak und sein Abklingen zeigen an, dass das Becken bereit ist. Ohne Wassertests ist dieser Verlauf schlicht nicht erkennbar.
Beschleunigen lässt sich der Prozess mit Filtermaterial aus einem eingefahrenen Becken – Zoohändler und Vereine geben es oft ab. Auch Bakterienstarter aus dem Handel helfen, ersetzen aber keine Kontrolle: Getestet wird trotzdem, zweimal pro Woche.
Bei der Beckengröße gilt eine kontraintuitive Regel: Größer ist einfacher. In 54 Litern kippt die Wasserchemie innerhalb von Stunden, in 200 Litern bleibt Zeit zum Gegensteuern. Nanobecken sind Fortgeschrittenenaquaristik, auch wenn sie als Einsteigerware verkauft werden.



